Professionelle Zahnreinigung

Professionelle Zahnreinigung: Heute für morgen vorbeugen

Um Zähne und Zahnfleisch gesund zu halten, reicht die Zahnpflege zu Hause oft nicht aus. Das liegt daran, dass Karies und Parodontitis leicht dort entstehen, wo eine Zahnbürste nicht hinkommt. Aus diesem Grund ist es notwendig, die häusliche Zahnpflege durch die Zahnprophylaxe, auch professionelle Zahnreinigung (PZR), ergänzt werden. Beide Maßnahmen sind unabdingbare Voraussetzungen für die Erhaltung unserer Mundgesundheit [1] und die Vermeidung ernsthafter und kostspieliger Probleme in der Zukunft. 

Die professionelle Zahnreinigung basiert auf der vom schwedischen Professor Dr. Axelsson durchgeführten Studie. Diese Studie begann in den siebziger Jahren und wurde etwa 30 Jahre lang mit einer Gruppe von 375 Patienten durchgeführt. Im Jahr 2004 wurden die Ergebnisse veröffentlicht, und der mehrfache Nutzen einer regelmäßigen Zahnprophylaxe wurde darin wissenschaftlich nachgewiesen. Darüber hinaus wurde Axelssons Prophylaxeprogramm zu einem Modell für das heutige PZR und ist eines der weltweit am meisten nachgefragten präventiven zahnärztlichen Verfahren. 

1. Was bedeutet Zahnprophylaxe eigentlich? 

Im Inneren des Mundes entwickelt sich ein Mikrobiom, das für jeden Menschen individuell und einzigartig ist. Eine gute Zahnbehandlung löst nicht nur sichtbare Zahnprobleme, sondern zielt auch darauf ab, den Zustand dieses persönlichen Mikrobioms zu erhalten. Hauptsächlich sind es die Bakterien, die im Speichel schweben und die Ausführung bestimmter vorverdaulicher Prozesse ermöglichen. 

Aufgrund der schnellen Vermehrung der Bakterien haften sie jedoch auf natürliche Weise an den Zähnen und bilden die so genannte Plaque oder neuerdings auch Biofilm genannt. Dieser Biofilm bildet sich auf natürliche Weise 1 Stunde nach dem Zähneputzen. Wenn dieser Biofilm nicht richtig entfernt wird, können unkontrolliertes Bakterienwachstum Karies oder Zahnfleischprobleme verursachen. Verbleibt der Biofilm lange Zeit auf den Zähnen, härtet er aus und es bilden sich Zahnbeläge

Mit der richtigen Zahnbürste und der Verwendung von Zahnseide wird ein guter Teil dieses Biofilms entfernt. Die Erhaltung der Mundgesundheit erfordert nicht nur die Pflege der Zähne, sondern auch des Zahnfleisches, der Zellen und der Zunge. Eine richtige und wirksame Mundhygiene sollte diese “4Zs” einschließen [2]. Ein aufgeklärter Patient weiß, dass zur Erreichung dieses Ziels die Mundhygiene nicht nur auf das häusliche Zähneputzen beschränkt sein sollte. Für eine gründliche Entfernung ist eine regelmäßige Prophylaxe oder professionelle Zahnreinigung (PZR) zusätzlich erforderlich. 

2. Was umfasst eine professionelle Zahnreinigung?

Die professionelle Zahnreinigung besteht aus einer intensiven und tiefen Zahnprophylaxe. Sie zielt darauf ab, harten und weichen Biofilm oberhalb (supragingival) oder unterhalb (subgingival) des Zahnfleisches und in den Zahnzwischenräumen zu entfernen. Eine professionelle Zahnreinigung (PZR) erlaubt es, den Biofilm unter den Schwellenwerten zu halten, die Zahnerkrankungen verursachen. Um dies zu erreichen, ist eine fachgerechte Entfernung sowohl der supragingivalen (sichtbaren) als auch der subgingivalen (unsichtbaren) Plaque nötig. 

3. Wie oft sollte man seine Zähne professionell reinigen lassen?

Die Bundeszahnärztekammer betrachtet die PZR im Abstand von sechs Monaten als ideale Ergänzung zur gründlichen häuslichen Zahnreinigung und zur Gesunderhaltung von Zähnen und Zahnfleisch. Es gibt jedoch Gesundheitszustände, bei denen eine Prophylaxe mit kürzeren Intervallen vorteilhaft sein kann. Zum Beispiel können Patienten mit Typ-2-Diabetes, die im Allgemeinen an chronischer Parodontitis (CP) leiden, von einer Prophylaxe profitieren, die im Abstand von 3 Monaten stattfindet, um ihre parodontale Gesundheit zu verbessern und das Fortschreiten der Parodontitis zu verhindern [3]. 

4. Warum ist professionelle Zahnreinigung so wichtig? 

Gesunde, gut gepflegte Zähne sind nicht nur gut für das Aussehen, sondern auch für die allgemeine Gesundheit. In den letzten Jahrzehnten haben mehrere wissenschaftliche Studien gezeigt, wie Erkrankungen des Mundes in direktem Zusammenhang mit der Entstehung von Krankheiten in anderen Organen oder mit der Verschlimmerung bereits bestehender Erkrankungen stehen

Die überproportionale Zunahme von Bakterien im Mund erzeugt nicht nur Karies und Zahnfleischentzündungen, sondern diese gelangen auch in die Blutgefäße und siedeln sich in anderen Organen des Körpers an. Es hat sich gezeigt, dass Parodontitis ein Risikofaktor für Herz- oder Kreislauferkrankungen ist [4]. Auch eine Lungenentzündung kann mit einem kranken oralen Mikrobiom in Verbindung gebracht werden. 

In Deutschland wurden in den letzten Jahrzehnten Fortschritte in der allgemeinen Mundgesundheit erzielt. Dies zeigt die fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V), die 2014 vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) durchgeführt wurde. Karies in der Allgemeinbevölkerung ist deutlich zurückgegangen. Dennoch bleibt die Parodontitis ein Problem. 43,4% der jungen Erwachsenen (35- bis 44- Jährige) leiden an moderater Parodontitis und 8,2% an schwerer Parodontitis. Bei den jungen Senioren (65- bis 74-Jährige) haben 44,8% eine moderate Parodontitis und 19,8% eine schwere Parodontitis [5]. Diese Zahlen zeigen welche große Arbeit noch geleistet werden muss, um einen besseren Zustand des Mundraumes zu erreichen. 

Es ist wichtig, die häusliche Mundhygiene durch eine professionelle Zahnreinigung (PZR) zu ergänzen. Dies zu verstehen ist für die allgemeine Gesundheit von großer Bedeutung. 

5. Wie wird eine professionelle Zahnreinigung (PZR) durchgeführt?

Die PZR umfasst eine Reihe von Maßnahmen [6], die insgesamt etwa eine Stunde dauern: 

  1. Gründliche Analyse des Mundraumes und der Zähne. Diese Analyse ist die Grundlage für die weitere Vorgehensweise. 
  2. Der harte und weichen Biofilm wird aus dem Zahnfleischschaum entfernt. Dies geschieht manuell oder maschinell mit Ultraschall. 
  3. Zur Reinigung der Zahnoberfläche wird eine rotierende Bürste und eine Prophylaxefluoridpaste verwendet. Zum Abschluss werden alle Seiten (Approximalflächen) nach Bedarf mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten gereinigt. 
  4. Der Zahnschmelz ist mit einem Fluoridlack verstärkt. 
  5. Falls die Mundhygiene zu Hause Defizite aufweist, gibt der Zahnarzt professionellen Rat zur Verbesserung der Mundhygiene. Dazu gehört die korrekte Verwendung von Zahnseide, Zahnbürste, Zahnzwischenraumbürsten und, falls erforderlich, Zungenreiniger. 

6. Ist eine Zahnprophylaxe schmerzhaft? 

Bei einer Zahnreinigung können nur Schmerzen auftreten, wenn bereits eine Zahnfleischentzündung oder eine bakterielle Entzündung des Parodonts (Parodontitis) vorliegt. Dann ist der Zahn besonders empfindlich gegenüber äußeren Reizen. Schmerzen können vermieden werden, indem Patienten mit besonders empfindlichen Zähnen ein einfach und schmerzlos anzuwendendes Lokalanästhetikum angeboten werden.  

7. Fazit 

Für die richtige Mundgesundheitsversorgung müssen die 4Zs berücksichtigt werden: Zähne, Zahnfleisch, Zellen und Zunge. Der Mundraum ist ein komplexes System, und sein Mikrobiom muss täglich gepflegt werden. Eine gründliche Zahnreinigung zu Hause ist wichtig, aber es reicht nicht aus, um Komplikationen zu verhindern. Die Allgemeingesundheit steht in einem direkten Zusammenhang mit der Mundgesundheit, dies ist wissenschaftlich erwiesen. Verantwortungsbewusste Gesundheitsvorsorge heißt damit auch, professionelle Gesundheitsvorsorge für den Mundraum. 

8. Quellen 

[1] Hellwege, K.D. (2007). Die Praxis der professionellen Zahnreinigung & Ultraschall-Scaling. Stuttgart: George Thieme Verlag. DOI: 10.1055/b-002-7274
[2] Hellwege, K.D (2003). Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe. Stuttgart: George Thieme Verlag.
[3] López, N et al (2014). Routine Prophylaxes Every 3 Months Improves Chronich Periodontitis Status in Type 2 Diabetes. Journal Periodontology 85 (7), 232-240. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24354651/
[4] Harvard Heart Letter (2018). Gum disease and heart disease: The common thread.
https://www.health.harvard.edu/heart-health/gum-disease-and-heart-disease-the-common-thread
[5] IDZ – Institut der Deutschen Zahnärzte (2014). Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V). https://www.bzaek.de/fileadmin/PDFs/dms/Zusammenfassung_DMS_V.pdf
[6] Hellwege, K.D (2003). Die Praxis der zahnmedizinischen Prophylaxe. Stuttgart: George Thieme Verlag. DOI: 10.1055/b-002-7274

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